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Als nachhaltige Filmproduktion hinterfragen und reflektieren wir regelmäßig und bei jedem neuen Projekt unser Handeln, denn wir alle haben eine Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Doch wie geht nachhaltige Filmproduktion? Mit großen Sets, viel künstlichem Licht und weltweiten Dienstreisen ist die Filmbranche nicht gerade für ihren geringen ökologischen Footprint bekannt. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan.
Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, wie den Green Production Guide oder die Checkliste für Green Storytelling, an denen sich Filmproduktionen orientieren können, es gibt eine Ausbildung zur/zum Green Consultant (Film/TV) und viele Initiativen zum Thema Green Filming und das ist gut so. 2015 haben die Vereinten Nationen mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung umfassende Pläne für eine nachhaltige Welt bis 2030 vorgelegt. Doch der Fortschritt, den wir machen, ist nicht schnell genug, wir alle gemeinsam müssen ins Handeln kommen.

Reduce, reuse, recycle

Schauen wir uns die einzelnen Bereiche also mal genauer an:

BÜRO UND STUDIO

Schon bei der Wahl des Standorts für ein Büro oder Studio können insbesondere große Filmproduktionen wichtige Entscheidungen im Bezug auf ihre Nachhaltigkeit treffen. Beginnend bei der Wahl energie-effizienter Gebäude über die Versorgung mit Ökostrom bis hin zu einer guten Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um Transport- und Reisewege so grün wie möglich zu gestalten. Hinzu kommt das Einrichten einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und sichere Abstellmöglichkeiten für umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Fahrräder oder Roller.
Zur Verringerung der Umweltbelastung sollte die verwendete Technik im Büro und Studio aktuell gehalten und nach Gebrauch vollständig ausgeschaltet werden. Für länger dauernde Prozesse, wie zum Beispiel das Kopieren von Daten, empfiehlt es sich, diese effizient zu planen. Auch bei Heizung und Klimaanlage sollte mit Hilfe einer guten Temperaturregelung und regelmäßiger Wartung auf einen sparsamen Einsatz geachtet werden.
Um den Papierverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren, sollte auf Drucken verzichtet werden und wenn dies doch mal erforderlich ist, doppelseitig mit geringem Tintenverbrauch auf Recyclingpapier gedruckt werden. Der Standard sollten jedoch digitale Dokumente sein, egal ob Rechnungen, Drehbücher oder Verträge. Fehlerhaft bedruckte Seiten lassen sich noch als Notizzettel wiederverwenden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Einrichten eines effizienten Abfallentsorgungssystems zu dem Mülltrennung und das Nutzen von recycelbaren Materialien und das Vermeiden von Einwegbehältern gehört. Auch der Wasserverbrauch sowohl im Büroalltag als auch bei Produktionen am Set sollte so gering wie möglich gehalten werden.

REISEN UND TRANSPORT

Reisen und Transport gehören zu den umweltschädlichsten Aktivitäten im Zusammenhang mit der Filmindustrie, die zu einem hohen Maß zum ökologischen Footprint einer Filmproduktion beitragen.
Der einfachste Weg, um CO₂-Emissionen zu reduzieren, ist natürlich die Anzahl der Wege zu vermeiden – das geht nicht immer, aber die Nutzung virtueller Meetings kann hier schon einen großen Beitrag leisten. Für notwendige Wege sollten Verkehrsmittel mit möglichst geringer Umweltbelastung gewählt werden, hierzu zählen zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel, Fahrgemeinschaften, Elektroautos, Carsharing, Fahrräder, Lastenfahrräder und Züge statt Kurzstreckenflüge. Falls Flugreisen unvermeidbar sind, können diese mit CO₂-Ausgleichszahlungen ausgeglichen werden, in diesem Bereich gibt es eine Reihe von Organisationen, die beim Ausgleich unterstützen. Auch die Wahl lokaler Anbieter:innen, z.B. für Equipment, hilft, die Reisetätigkeit zu minimieren. Für eine langfristige positive Entwicklung empfiehlt es sich, die Projekte und Reisen regelmäßig zu analysieren und Verbesserungspotenziale aufzudecken.
Bei der Wahl von Unterkünften sollte darauf geachtet werden, dass diese möglichst nah am Drehort und an öffentliche Verkehrsmittel angebunden sind, um lange Wege zu vermeiden und im besten Fall ein Zertifikat für Nachhaltigkeit haben.

ENERGIE

In jeder Phase einer Filmproduktion muss auf Energiequellen, -verbrauch und -effizienz geachtet werden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf Dreharbeiten vor Ort oder an einem Set ohne Anschluss an das Stromnetz oder eine andere Energieversorgung gelegt werden.
Die Verwendung von energieeffizienter Technik, egal ob eigene oder aus dem Verleih, verringert den Energieverbrauch und trägt zu einer nachhaltigen Nutzung bei. Wie im Büro oder Studio, sollten auch am Set Geräte, die nicht in Gebrauch sind, vollständig ausgeschaltet, energiesparende Beleuchtung genutzt und Technologien zur Optimierung des Ladevorgangs von Geräten genutzt werden bzw. diese nicht am Stecker bleiben, wenn sie vollständig geladen sind.
Das Vermeiden fossiler Brennstoffe und Bevorzugen von Ökostrom ist einer der wichtigsten Aspekte, so sollten beispielsweise Dieselgeneratoren o.ä. unbedingt vermieden werden und auf neue Technologien umgestiegen werden. Ist der Einsatz dennoch unvermeidbar, sollte die Nutzung auf ein Minimum reduziert und leise Generatoren mit geringen CO₂-Emissionen und Feinstaubfilter genutzt werden.

SET DESIGN

Um Abfall und Umweltbelastung beim Set Design zu reduzieren, sollten schon im Vorfeld der Dreharbeiten Überlegungen zu Wiederverwertung der verwendeten Materialien, Requisiten und Kulissen angestellt werden. Verbrauchsmaterialien wie z.B. Farben sollten ungiftig und ökologisch zertifiziert sein und bei der Wahl von Special Effects muss darauf geachtet werden, dass die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt so gering wie möglich sind. Eine effiziente Planung im Vorfeld des Drehs ist unerlässlich für ein wiederverwendbares Set Design.
Möbel, Dekorationsartikel oder andere Gegenstände sollten, wenn möglich, gemietet statt gekauft werden und bei der Verwendung von Farben, Klebstoffen und Lacken sollte auf umweltfreundliche Alternativen gesetzt und Sprühfarben vermieden werden. Farbreste, Pinsel, Lappen etc. sollten fachgerecht entsorgt werden Rückstände von Farben, Chemikalien etc. unter keinen Umständen ins Abwasser gelangen. Verwendetes Holz sollte aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen oder auf alternative Hölzer gesetzt werden.
Kostüme sollten nach Möglichkeit geliehen oder Secondhand gekauft werden und aus Bio-Baumwolle oder anderen natürlichen Materialien statt aus Stoffen auf Erdölbasis wie Vinyl und Polyester bestehen. Beim Make-Up sollten vorzugsweise vegane/ tierversuchsfreie Produkte ohne Mikroplastik gewählt werden, im besten Fall mit wenig Verpackung und nachfüllbar.

DREHORT

Die Auswahl des Drehortes oder der Drehorte sollte unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Filmproduktion auf die Landschaft und das Ökosystem erfolgen. Hierzu zählen die Entfernung zu Einrichtungen, Produktionsbüros und Unterkünften für Darsteller:innen und Crew, der Zugang zu umweltfreundlichen Lieferant:innen, die Anbindung an öffentliche/ umweltfreundliche Verkehrsmittel, die Verfügbarkeit eines Recyclingprogramms und der Energieverbrauch.
Beim Dreh sollten geschützte Gebiete vermieden und der Ort wie vorgefunden oder besser hinterlassen werden. Produktionsaktivitäten sollten die lokale Landschaft und das Ökosystem nicht beeinträchtigen.

VERPFLEGUNG UND CATERING

Die Auswahl der Lebensmittel und des Caterings spielt eine wichtige Rolle bei der Abschätzung der gesamten Umweltbelastung einer Filmproduktion und ihres CO₂-Fußabdrucks. Aspekte wie die Wahl eines lokalen Caterers, die Auswahl saisonaler, regionaler und fleischloser Lebensmittel und die Vermeidung von Einwegbesteck und -behältern sind wichtige Aspekte, die zu berücksichtigen sind. Um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, sollte der Bedarf gut geplant und überschüssige Lebensmittel gespendet werden.

STORYTELLING

Filme und Storytelling haben die Kraft, Emotionen zu wecken und dadurch Veränderungen in der Welt voranzubringen. Durch implizites und explizites Storytelling in Filmprojekten können Menschen zu positivem Wandel inspiriert werden.
Implizit wäre zum Beispiel das Verhalten der Charaktere oder die verwendete Bildsprache. So können Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte stattfinden, ohne explizit darüber zu sprechen. Stattfindende Charaktere treffen zum Beispiel nachhaltige Entscheidungen, wie die Wahl von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, verantwortungsbewussten Konsum oder eine nachhaltige Ernährung.
Explizites Storytelling wäre Themen wie Klimawandel oder Umweltschutz aktiv zu integrieren und zum Thema zu machen – alles mit dem Ziel Menschen zum Handeln anzuregen.

 

Quellen: Green Production Guide, Checkliste Green Storytelling